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Die aktuelle Veränderung kommt einer Revolution nahe

Im Interview mit Handelsexperte Prof. Dr. Utho Creusen

Prof. Dr. Utho Creusen ist als Leadership- und Handelsexperte in mehreren Aufsichtsräten tätig und berät mit seinem Unternehmen DIGITAL LEADERSHIP mehrere internationale Handelsunternehmen in der digitalen Transformation. Wir haben mit Utho über die Bedeutung von Human Resources im Einzelhandel gesprochen.

 

Utho, du hast über 30 Jahre Erfahrung im Bereich Handel. Inwiefern stehen wir mit Amazon Fresh & Co. gerade vor einem Umbruch in der Branche?

Der Handel hat mehrere fundamentale Strukturänderungen in seiner Geschichte bewältigen müssen. Die letzte große war vor ca. 50 Jahren die Umstellung auf Selbstbedienung.
Die aktuelle Veränderung kommt einer Revolution nahe. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Eine Besonderheit ist, dass diese Transformation in Phasen verläuft. Die ersten Händler, die die Digitalisierungswelle traf, waren die Elektronikhändler, die CDs verkauften. Dann kamen die Buchhändler an die Reihe und heute ist es der Lebensmittelhandel, der erkennen muss, dass er Omni-Channel nicht mehr ignorieren kann. Die wichtigste Aufgabe, um diesen aktuellen Wandel zu gestalten und nicht zu erleiden, ist die Veränderung des Denkens aller Akteure durch die Schaffung einer Änderungskultur. Wir nennen das die Schaffung der DIGITAL LEADERSHIP Kultur.

Beruflich beschäftigst du dich intensiv mit dem Thema Leadership. Welche Rolle wird das Personal zukünftig im Handel spielen und inwiefern werden sich die Anforderungen hinsichtlich der Personalführung verändern?

In der ersten industriellen Revolution vollzog der Mensch den Wandel vom Produzieren zum Denken. Die „Kopf“- Arbeit (statt der körperlichen Arbeit), die geistige und kreative Gestaltung wurde zum prägenden Element. Jetzt geht es um die Schaffung von Sinn.
Für die Personalführung der neuen „Sinn“- Arbeit bedeutet dies eine neue Form von Leadership, in der Offenheit für die Bedürfnisse und den Sinn von KundInnen und MitarbeiterInnen geschaffen werden muss. Jeder muss lernen, die Verantwortung für den Veränderungsprozess zu übernehmen. Es gibt keine Hierarchien im klassischen Verständnis mehr. „Sinn“- Arbeiter müssen anders behandelt werden. Wir fangen gerade erst an, zu erahnen, was dies für die Unternehmensstrukturen und das Führungsverhalten bedeutet. Es wird mit völlig neuen Formen des Lernens beginnen.

Wie kann in diesem Zusammenhang das Konzept des ‚Positive Leadership’ durch den Handel eingesetzt werden?

Der Positive Leadership Ansatz ist eine neue Disziplin, die aus der Positiven Psychologie entstanden ist. Hier haben kreative Psychologen sich die Frage gestellt, ob und wie Emotionen positiv gestaltet werden können. Der daraus entstandene Zweig der Emotionalen Intelligenz hat viele erfolgreiche Methoden entwickelt, die wir nun auch bei der Unternehmensführung einsetzen können.
Teile des Handels haben dies besonders schnell verstanden und umgesetzt, weil der Handel besonders schnell mit den Folgen der Digitalisierung konfrontiert wurde und nach Lösungen gesucht hat. Positive Leadership setzt nun diese Methoden wie z.B. den FLOW-Ansatz oder die Stärkenorientierung oder das Synercube-Wertemanagement gezielt in der digitalen Transformation mit großen Erfolgen ein.

Im Laufe deiner Karriere hat es dich häufig ins Ausland verschlagen, u.a. nach Russland und in die USA. Welche Märkte sind dem deutschen Handel hinsichtlich der Digitalisierung voraus und was können deutsche Einzelhändler lernen?

Eine intelligente Transformation mit Hilfe des DIGITAL LEADERSHIP ist keine Frage von Märkten oder Nationen. Wir finden überall auf der Welt vorbildliche Beispiele, so auch bei unserem letzten Besuch in China bei Alibaba. Wenn das Management offen ist für diese grundlegenden Veränderungen und für die neuen Leadership-Methoden, ist eine rasche und erfolgreiche Transformation möglich. Dies haben wir in unserem neuen Buch DIGITAL LEADERSHIP, das im September bei Springer Gabler erscheinen wird, entsprechend beschrieben. In der Tat müssen sich deutsche Händler beeilen, wenn sie nicht zu den Verlierern gehören möchten. Um z.B. die Lean Startup Kultur auch hier einzuführen, muss zunächst die Bereitschaft für die Methoden des DIGITAL LEADERSHIP geschaffen werden. Dies setzt bei der Führungsebene an. Die MitarbeiterInnen sind vielfach schon zur Nutzung der digitalen Werkzeuge bereit.

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AUTOR(IN)

Michaela Schützinger

Michaela Schützinger

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